Text zum Video 11.03.2008: Living History mit Ari Rath und Paul Lendvai

BM Dr. Ursula Plassnik: Lieber Ari Rath, ich freue mich sehr, dass Sie dieser Einladung nachgekommen sind. Ich weiß, der Weg von Wien nach Wien ist ein weiter. Wir haben Gelegenheit gehabt darüber zu reden, ganz persönlich. Ich habe mich gefreut, dass Paul Lendvai als Gesprächspartner für heute Abend uns zur Verfügung steht. Es sind zwei Professoren, meine Damen und Herren, die Sie hier erleben. Die miteinander ein Gespräch führen werden. Ich glaube nicht, dass ich in diesem Kreis Ari Rath vorstellen muss. Er ist Ihnen allen bekannt, er ist Ihnen allen vertraut. Wir haben das Privileg gehabt mit ihm arbeiten, mit ihm ein Stück denken zu dürfen und auch seine Erfahrungen hören zu dürfen. Ich möchte damit Dir, lieber Paul, das Wort geben. Ich möchte mich noch einmal für dieses Geschenk bedanken, dass Sie mir persönlich heute machen und unseren jungen Kolleginnen und Kollegen. Ich freue mich und habe meine Ohren auch gespitzt in großer Aufmerksamkeit. Dankeschön und ich wünsche uns allen einen aufmerksamen und interessanten Abend! Danke!

Prof. Paul Lendvai: Vielleicht einige Sätze zur Einleitung. Ich hab mich auch mit dieser Geschichte Österreichs ein wenig beschäftigt, aber anders als Ari Rath. Ich habe das gute Österreich 1957 kennengelernt. 20 Jahre fast nachdem er Österreich verlassen hat, kam ich nach Österreich. Und wie so viele Menschen hier, ich habe mich auch nicht sehr viel in den ersten Jahren mit 1938 beschäftigt. Ich möchte nur sagen, was meine persönliche Position betrifft, dass ich glaube, Österreich hat aus der Geschichte gelernt, eine selbstzerstörerische Vergangenheit versucht hat zu bewältigen, trotz aller Schatten, trotz aller Versäumnisse. Und ich möchte schon jetzt sagen, dass verglichen mit den ungarischen und serbischen, rumänischen und lettischen Lernprozessen, soll man auch das Verspätete und das Unzulängliche nicht unterschätzen. Die Frage ist, wie man aus der Geschichte lernt. Durch Erinnerung oder durch taktvolles diskretes Schweigen.

Prof. Ari Rath: Und es ist wirklich 70 Jahre fast genau auf die Stunde. Ich war immer ein politisch neugieriges Kind. Und wir sind nach Hause geeilt, denn um halb sieben abends hätte ein Gewerkschaftsführer am Radio sprechen sollen und aufzurufen gegen den Anschluss zu stimmen, aber anstelle dessen gab´s Marschmusik und dann hört man im Radio und ich habe -wie gestern- die Abdankungsrede von Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg gehört. Und die Worte: „Wir weichen der Gewalt, Gott schütze Österreich!“ haben noch jahrelang, wenn sie wollen bis heute. Und diese 4 Tage, eigentlich nicht 4, es hätten 4 sein sollen, diese 2 Tage vom 9. März, als wir erfahren hatten dass Schuschnigg in Innsbruck eine Volksabstimmung angesagt hat. Unsere Eltern waren in Berlin bei einer Einkaufsreise, wollten am Samstag zurück kommen, um zu stimmen. Es gab so eine ganz kurze Euphorie, eigentlich wie eine Katharsis. Sie dürfen nicht vergessen, dass trotz der Tatsache, dass Österreich damals schon 4 Jahre in dem Regime einer Vaterländischen Front, einer einparteilichen Diktatur gelebt hat, die jüdische Mentalität war: uns kann nichts passieren. Es haben in Österreich damals am Tag des Anschlusses 195.000 jüdische Menschen gelebt. Von denen 180.000 in dieser Stadt. Als wir am 9. März wieder Menschen mit den 3 Pfeilen gesehen haben, dass war so ein Jubel, jetzt gemeinsam irgendwie die Erzfeinde wurden zu Verbündeten gegen den großen Feind. Wir haben in der Porzellangasse 50 gewohnt, Ecke Glasergasse. Und am Schulweg an der Ecke der Grünetorgasse gab es ein Studentenheim. Natürlich Nazis, mit den weißen Strümpfen. Und gegenüber Sozialisten mit den drei Pfeilen. Es kam zu Schlägereien und dieser Tag war so ganz besonders. Wir wussten, wir mussten jetzt mithelfen, damit die Volksabstimmung gegen den Anschluss geht. Ich entschuldige mich jetzt bei meinen Professorinnen vom Wasa-Gymnasium, wo ich das vor zwei Wochen erzählt habe. In meinem Semesterzeugnis und in meinem Abschlusszeugnis, wir durften noch bis zum Ende des Schuljahres studieren, ich komm da auch noch darauf zurück, hab ich eine Eintragung: Rath , 2 Stunden Karzer wegen Disziplinwidrigkeit. Und auf diese Disziplinwidrigkeit bin ich bis heute sehr stolz, denn in der 10Uhr-Pause, am Freitag den 11. sagte ich zu meinen besten Freunden Herbert Steiner und Pauli, einer lebt in Schottland in Aberdeen, Pauli Singer in Beersheba. Kommt wir schwänzen jetzt, wir gehen zur Vaterländischen Front, nehmen Flugblätter und teilen die aus, was ich nicht bemerkt habe, dass unser Klassenvorstand Professor Hans Pollak hinter mir gestanden ist und er sagte ganz kurz und scharf: Rath, 2 Stunden Karzer. Und es gab damals einen kleinen Raum in der Bibliothek. Aber wir haben dann nach zwölf, halb eins das getan und wir haben riesige Hoffnungen gehabt, aber mit der Abdankungsrede von Schuschnigg ist alles bald zusammengebrochen. Sie müssen sich vorstellen, dass kurz nachher im Radio Wien das erste Mal das Horst-Wessel-Lied gespielt wurde. Man fragt mich immer: Wieso bist du dazu gekommen doch nach Palästina auswandern zu wollen, denn bis zum Tag des Anschlusses wollte ich von Palästina eigentlich sehr wenig hören. Ich war ein Wiener Bub und ich dachte das Leben wäre hier. Für mich war das traumatische Erlebnis, Samstag früh, der 12. März. Mein Bruder und ich wurden da zu unseren beiden Großmüttern in der Kochgasse. Aber wir gingen auf die Straße. Die sämtliche Wiener Polizei war schon mit Hakenkreuzbinden ausgestattet und das musste vorbereitet gewesen sein. Dann kam eins nach dem andern. Juden mussten schon mit Bürsten und Zahnbürsten die Losung gegen den Anschluss abreiben. Es, buchstäblich ist unsere ganze Welt über Nacht zusammengestürzt.

Lendvai: Wie hast Du dann die Tage nachher erlebt?

Rath: Also wie gesagt, für mich und meinen Bruder war dieser Samstag nach dem Horst-Wessel-Lied im Radio Wien das Ausschlaggebende. Nicht nur die Hakenkreuzfahnen, die großen, oder man hat das Kruckenkreuz ausgeschnitten und ein provisorisches Hakenkreuz aufgeklebt, aber von so vielen Wohnungen waren alle kleine Hakenkreuzfahnen und dann die sämtliche Wiener Polizei. Und was noch schlimmer war, war der Hohn der Bevölkerung den Juden gegenüber. Wir waren Nachbarn. Der neunte Bezirk war ein gemischter Bezirk, weiß nicht genau, Hälfte Juden. Porzellangasse 50, Ecke Glasergasse. Das Haus besteht heute noch. Dort war das damals das Rossauerkino. Heute ist eine Bühne da. Eine Schauspielbühne. Wenn man über Nacht von einem Mensch zu einem Unmensch wurde. Wir hatten eine kleine Schwester, die war ein Jahr alt, von unserer zweiten Mutter. Unsere Mutter ist gestorben als ich sehr jung war. Sie ist am Zentralfriedhof begraben, 29. Wenn die Erde in der deine eigene Mutter begraben ist, zum fremden Boden wird. Und als ich zum Zentralfriedhof vor meiner Ausreise nach Palästina da an Allerheiligen zum Friedhof gefahren bin, das war gefährlich, als Jude dorthin zu fahren. Aber zurück. Das ist eine Sache, die ich bis heute nicht nachvollziehen kann und deswegen habe ich auch immer und bis heute ein großes Problem mit der sogenannten Opferthese dieses Landes.

Lendvai: Waren aber auch in der Masse dieser schrecklichen Erlebnisse auch positive Zeichen, dass man sich menschlich verhalten hat oder versucht hat zu helfen?

Rath: Das gab es sicherlich. Ich hab mal eine Erinnerung geschrieben über meinen Bar Mizwa- Pfarrer. Bar Mizwa ist die Firmung eines jüdischen Buben. Mit 13 Jahren hat man religiöse Pflichten und ich hatte ein schönes Steyr-Fahrrad, ich hatte einen guten Freund, Walter Pech, im selben Haus, er war immer eingeladen. Wir waren nicht in derselben Klasse, denn die vier Jahre vor dem Anschluss im Wasagymnasium, war ich in einer separaten Judenklasse. Auf Grund eines Erlasses vom Unterrichtsminister Schuschnigg vom Juli 1934, das hat es gegeben, aber das ist noch ein Thema. Und Walter Pech, ich habe ihn am Sonntag in seiner Hitlerjugenduniform gesehen, er hat mich nicht begrüßt und kam dann am nächsten Tag zu mir und sagte mir: „Ari, ich mach dir einen Vorschlag. Du weißt, dass du dein Fahrrad nicht benützen kannst, nicht nur weil es jetzt kalt ist und Winter. Wenn du da runter gehst als Jude, wird es sofort beschlagnahmt. Ich mach dir einen Vorschlag: in meiner HJ-Schar gründen wir jetzt eine Fahrradstaffel, formell werde ich dieses Fahrrad beschlagnahmen und ich verspreche dir, es dir zurückzugeben, wenn du eine Chance hast auszuwandern.“ Und er hat sein Versprechen gehalten und hat es im Oktober zurückgebracht, hat es auch während dieser Zeit öfters bei uns auf so einem Flaschenzug geparkt, sozusagen. Und er hat sein Versprechen gehalten. Das war das einzige Fahrrad, das zehn Jahre auch in Palästina bzw. Israel war, das auch in der Hitlerjugend gedient hat, das hat es gegeben.

Lendvai: Also Du hast dann Österreich wann und wie, unter welchen Umständen verlassen können?

Rath: Unser Vater wurde Anfang Mai mit noch 2000, vielleicht mehr jüdischen Kaufleuten verhaftet. Die Gefängnisse waren voll, die ersten Tage waren sie in der Schule in der Karjangasse im 20. Bezirk…

Lendvai: Kreisky war auch dort verhaftet.

Rath: Ja, und dann nach 3-4 Tagen war die Schule leer. Dann hat es geheißen, man geht ins Hotel Metropol am Morzinplatz, Hauptquartier der Gestapo und man kann sich erkundigen. Da standen, da habe ich die Rita unserer zweite Mutter begleitet, da standen hunderte jüdische Frauen und jeder Name „Dachau, Dachau, Dachau“. Die haben es nicht geglaubt, das sind Sadisten, es ist ja unmöglich, dass man da 2000 Menschen, es hat leider gestimmt. Bekam einen Brief, dass wir, mein Bruder und ich, alleine auswandern können nach Palästina, musste ein Notar aus der Stadt Dachau ins KZ kommen und mein Vater musste eine notariell beglaubte Bewilligung unterschreiben, dass seine minderjährigen Söhne alleine nach Palästina auswandern können. Jüdische Mentalität, als es ihm gelungen, im Dezember mit Hilfe unserer Cousinen , da war er schon in Buchenwald, auszuwandern, zur Bedingung, dass er Deutschland, das Deutsche Reich binnen 36 Stunden verlassen muss und Verzicht auf sein ganzes Vermögen, war zehn oder zwölf Stunden in Wien, Buchenwald, Wien, Hamburg oder Bremen. Das erste was er gesagt hat: „Rita, warum hast du mir die Buben verschickt? anstelle froh zu sein.“. Mein Bruder sagt immer mit Recht: „Es war unser Glück, dass unser Vater verhaftet wurde und es überlebt hat, denn wäre er nicht verhaftet worden, hätte er uns nie alleine auswandern lassen. Und bis er sich überlegt hätte, wo es vielleicht günstiger wäre, wäre es vielleicht zu spät“. Und den letzten Tag hatte ich ein dramatisches Erlebnis. Wir hatten eine Abschiedsfeier in der Schiffamtsgasse, wo ein Vorbereitungsseminar war für uns Buben und Mädchen und meine beiden gute Freunde, noch vom 11. März, der Pauli und der Herbert, waren da.

Lendvai: Du hast nicht hebräisch sprechen können?

Rath: Ich konnte ein bisschen hebräisch, ein sogenanntes Bar Mizwa Hebräisch. Nach jüdischem Brauch wird die Bar Mizwa nach dem jüdischen-hebräischen Mondkalender, die Bar Mizwa war schon im Dezember, also dritte Dezemberwoche. Und ich konnte lesen und mich ein bisschen verständigen, aber wir gingen dann nach Hause und von allen Seiten kamen Hitlerjugend auf Fahrrädern, nicht der Walter Pech, der hat vermutlich zu einer anderen Fahrradschar gehört, und die sagten „Judenbuben, Judenbuben“ und das war ein Lastwagen mit einem großen Transparent mit der Aufschrift „ Hermann Göring Alteisensammlung“ und wir mussten auf diesen Lastwagen rauf. Da waren schon österreichische SA-Leute da, 2. Bezirk, viele fromme Juden mit ihren Bärten, ihren Seitenlocken und es war ziemlich fürchterlich. Und dieses Paradoxon, wir haben aufgeatmet, als ein deutscher SS-Mann auf diesen Lastwagen gesprungen ist und die österreichische SA angefahren hat: „Wir sammeln jetzt Arbeitskräfte, nicht dass ihr amüsieren sollt“ und dann wurde uns gesagt, wir werden jetzt umgeladen, auf einen anderen Lastwagen, es geht über die Donau in die Lobau und am Montag früh fängt die Arbeit an. Die haben dann geschrieen „Runter, rauf“, ich war ziemlich geistesgegenwärtig und ich wusste, wenn ich da nicht entkomme mit meinen Freunden, werde ich auch am Montagabend nicht am Südbahnhof sein können, um über Triest nach Palästina auszuwandern. Ich hab dem Herbert und Paul gesagt, wir laufen, wir sind wie verrückt gelaufen, zumindest 1-2 Kilometer, man hat damals Gott sei Dank nur geschrien und nicht geschossen.

Lendvai: Und wann bist du dann in Israel angekommen?

Rath: Am 8. November 1938 als schon am Schiffsbulletin des italienischen Schiffs „Galilea“ gab es Nachrichten und da war die Nachricht, dass ein deutscher Diplomat namens vom Rath in Paris erschossen wurde von einem jüdischen Flüchtling, er heißt Grünspan - und ich mit meinem politischen Kopf habe gedacht, was wird jetzt mit meinem Vater passieren, der den selben Namen hat und in Buchenwald ist. Das habe ich erst zehn Jahre später erfahren, man hat ihn verprügelt, er war in Einzelhaft, aber er hat es Gott sei Dank überlebt, aber es war dramatisch, um nicht traumatisch zu sagen.

Lendvai: Wie war dann Dein Verhältnis sozusagen aus Israel zu Österreich nach 1945, wann bist Du zum ersten Mal wieder nach Österreich zurückgekommen?
Rath: Das erste Mal war ich 3,4 Tage in Wien zurück, das war Ende Oktober 1948, ich hatte da eine Aufgabe von der israelischen Verteidigung, vom Asher Ben Nathan, den Sie kennen, der war damals Mossad, wir wollten eine Waffenbeschaffung. Ich kam da in Wien an, genau so wie im „Dritten Mann“, in dem Film, den man gerade damals gefilmt hat. Und war die ganze Geschichte…

Lendvai: Hast Du auch eine Rolle gespielt?

Rath: Nein, das nicht. Aber bin dann erst einmal auf den Schulweg und das war für mich wirklich, als ob ich in einen Friedhof gehe, nicht nur, weil einige, viele Häuser zerstört waren, zum Teil. Sämtliche jüdischen Geschäfte, alles, die Namen waren weg, es war eine andere Stadt, es war ein anderer Ort. Ich ging damals zu meiner Wohnung, ging rauf und hatte, damals gab es noch Hausbesorger, da hab ich den…..

Lendvai: Gibt es noch heute…

Rath: Aber nicht so viele, die meisten waren Böhmen. Bei uns war das der Herr Wraneschitz und sein Sohn stand da, er hat mich nicht erkannt. 10 Jahre bin ich bisschen älter geworden und so. Und „Ach, der Ari, Du willst deine Wohnung anschauen!“. Da war eine Frau, die war buchstäblich sofort auf den Knien, denn damals konnte man, wenn man nach Wien zurückgekommen ist, sofort die Wohnung zurückbekommen. Sie hat mich angefleht „Bitte lassen Sie uns ein Zimmer, wir sind ausgebombt“. Ich habe sie beruhigt, der junge Wraneschitz sagte mir, Walter Pech war der einzige Sohn: „Ja, Du weist Ari, der Walter Pech ist in der Normandie gefallen, vor einem Jahr“ und ich wollte doch seine Mutter sehen, ich beschreib das, sie hat mich sofort erkannt.

Lendvai: Also du hast die Wohnung nicht genommen?

Rath: Nein, wollte ich auch nicht. Aber ich war dann mit der Mutter des Walter Pechs, der so anständig war - der Ari hat mich umarmt. Ich denke, sie dachte: „Na ja, der Jude hat überlebt, mein Walter ist gefallen“. Ich musste 2 Stunden mit ihr sitzen, mir alle Bilder der Kavallerie anschauen und ich habe ihr auch gedankt, dass ihr Sohn auch wirklich sein Versprechen gehalten hat. Aber dann war ich weg aus Wien und ich hatte viele Jahre ein sehr zurückhaltendes Verhältnis gegenüber Wien.

Lendvai: Wann warst du dann wieder in Wien?

Rath: Das hat dann länger gedauert, ich glaube da war ich zwei Tage 1956 und dann wieder in den 60er Jahren. Es hat sehr lange gedauert, bis ich mich langsam mit dieser Stadt versöhnen konnte. Ich danke denen, einer ganzen Reihe von jüngeren, österreichischen Politikern. Ich muss sagen von beiden Parteien. Ich kannte damals Erhard Busek sehr gut, hier sitzt Rudolf Scholten, der als erster als Unterrichtsminister nach Jerusalem kam, mit einer großen Delegation und die Jerusalem Foundation. Ich habe dann in den letzten Jahren, immer mehr Zugang gefunden, aber, und habe dann auch, jetzt muss ich Frau Ministerin Plassnik und ihrer Mitarbeiterin Karin Proidl, die damals Nummer 2 in der Botschaft war… Es war ein Empfang, es war gerade der Geburtstag von Botschafter Kurt Hengl, der auch hier ist. Es gibt einen langjährigen Mitarbeiter - viele kennen Leo Luster - der war der Fahrer und hat fürchterlich gelitten, in Vernichtungslagern hat er`s überlebt und hat mich da angesprochen: „Ari, du wirst ja nicht jünger, du bist jetzt schon 80 und du kommst mal nach Wien und so. Wenn ich die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen habe, dann sollst du das auch tun.“. Und irgendwie, es war schon 11 Uhr, und ich meinte „Okay, Leo, ich tu es!“. Habe Karin Proidl gesagt „Hör zu, Leo!“ und dann kam der Kurt Hengl, sagt „Ari, Du hast mir ein Geburtstagsgeschenk gemacht“ (24:15)“ und dann ging es ganz schnellfristig hinter meinen Rücken, denn ich wusste nicht, dass die unbedingt wollten, dass Frau Minister Plassnik beim ersten Besuch mir die Wiedererwerbung der Staatsbürgerschaftsurkunde überreicht hat. Es hat lange gedauert, aber ich muss offen gestehen und sagen, jedes Mal, nicht nur an so einem wunderbaren Abend, den ich mir vor 70 Jahren nie, nie, nie in meinem Leben hätte vorstellen können, wenn ich nach Wien komme, fühle ich mich sofort irgendwie auf der virtuellen Couch, ich will da keine Psychoanalytiker, aber es ist so. Dann kommen alle Kinder. Ich fahr vorbei am Liechtensteinpark, den wir natürlich sofort nach dem Anschluss nicht betreten dürfen. Auch nicht den kleinen Gallmersgarten dort, wo das französische Institut ist. Wir haben uns da mit ein paar Bänken, den wir dann den „Beserlpark“ genannt haben, getroffen. Das kommt alles wieder und ich überlege mir, was aus mir geworden wäre, wenn das Leben hier irgendwie weitergegangen wäre.

Lendvai: Und wir bedanken uns bei Dir deshalb, dass Du gekommen bist.

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